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Wie funktioniert die Verdauung

Auch wenn das Pferd es geschafft hat, sich in seinem Zeitbudget, Fluchtverhalten, dem Fressverhalten und seinem Bewegungsablauf uns anzupassen, ist der Verdauungstrakt der eines Fluchttieres in der Steppe geblieben.

Die gesamte Nahrungspassage von der Futteraufnahme bis zur Ausscheidung dauert 35 – 50 Stunden. Die Verdauungsvorgänge finden im Magen, Dünndarm und Dickdarm statt, hierbei kommt dem Blinddarm als Fermenter eine besondere Rolle zu. Für eine bestmögliche Verdauung ist eine ausreichende Speichelbildung unerlässlich.

Eine möglichst lange Kauzeit wirkt sich günstig auf die ausreichende Speichelproduktion, gleichmäßige Zahnabnutzung und einen ungestörten Ablauf der Verdauung im Magen aus. Die Kauzeit wird vom Raufutteranteil in der Ration bestimmt. Das gesamte Verdauungssystem beim Pferd ist auf die Aufnahme und Verwertung von Rauhfutter ausgerichtet, dies führt besonders bei hohen Anteilen stärkereicher Futtermittel zu Problemen, da nur begrenzt Enzyme zum Stärkeabbau vorhanden sind.

Magen

Dieser ist mit einem Fassungsvermögen von ca. 15-20 l sehr klein und auf die regelmäßige Aufnahme geringer Futtermengen eingestellt. Dadurch kann die Nahrung schnell (innerhalb von 1-5 Stunden) zum Dünndarm weitergeleitet werden. Warum ist das so? Dies liegt in der Natur eines Fluchttieres, das schnell in der Lage sein muss, bei Gefahr flüchten zu können „mit vollem Magen rennt es sich schlecht“. Es gibt zwei weitere wichtige Merkmale, die bei der Rationsgestaltung wichtig sind. Zum einen kann ein Pferd durch die physiologischen Gegebenheiten des Magens nicht erbrechen, selbst dann, wenn es schlechtes Futter gefressen hat. Zum anderen ist der Magen in zwei Teile aufgeteilt: zuerst gelangt das Futter über die Speiseröhre in den drüsenlosen Abschnitt (Abbildung grüngefärbter Teil) und anschließend in den drüsenhaltigen Abschnitt des Magens (Abbildung rotgefärbter Teil).

Verdauungsprozesse bzw. Nährstoffaufnahme in den beiden Magenabschnitten:


Drüsenloser Magenabschnitt

  • Hauptsächlich mikrobieller Abbau von leicht zugänglichen Kohlenhydraten wie Zucker und Stärke, zum Teil auch Proteinen
  • Neben Milchsäure und kurzkettigen Fettsäuren entstehen auch Gase sowie Eiweißspaltprodukte
  • Zu starke mikrobielle Umsetzung und Bildung von viel Milchsäure wird in Verbindung mit der Entstehung von Magengeschwüren gebracht. Dies kann zum einen durch die Verfütterung von zu wenig Raufutter (Heu) passieren bzw. zu große Kraftfutterration und einem zu großen Anteil an „verkleisternder“ Futtermittel (wie Weizen und Roggen). Deshalb sollte man wenn möglich die Kraftfuttermenge auf mehrere kleine Portionen am Tag aufteilen und auch eine ausreichende Pause von ca. 2 Stunden zwischen Fütterung und Leistung einplanen.

Drüsenhaltiger Magenabschnitt:

  • Hier wird der Magensaft mit eiweißspaltendem Pepsin und Salzsäure gebildet
  • Eiweißabbau
  • Keine fett- oder kohlenhydrat spaltenden Fermente
  • Vermischung des Magensaftes mit dem Futterbrei = Absenkung des pH Wertes

Dünndarm

Mit einer Durchschnittlichen Passagezeit von ca. 1,5 Stunden wird der um die 20 m lange Abschnitt mit 55-70 l Fassungsvermögen relativ schnell durchlaufen. Die Dünndarmschleimhaut ist mit unzählig vielen Darmzotten ausgestattet, welche die Darmoberfläche stark vergrößern und für eine bestmögliche Nährstoffaufnahme sorgen.


Verdauungsprozesse bzw. Nährstoffaufnahme:

  • Enzymatischer Abbau von Eiweiße (Proteinabbau) gespalten und als Aminosäuren aufgenommen
  • Leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker werden in Glukose und Fruktose umgewandelt und aufgenommen
  • Fette in Fettsäuren gespalten und aufgenommen
  • Laktose wird in Glukose und Galaktose umgebaut und aufgenommen
  • Hier findet auch die Aufnahme der Vitamine, Spurenelemente und Mineralien statt
  • Wenn im Magen bereits zuviel Milchsäure gebildet wurde und der Nahrungsbrei sehr sauer ist, kann es auch hier zu Schädigungen der Darmzotten kommen und die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen.

Dickdarm und Blinddarm

dieser ist mit seinem Fassungsvermögen von 110-180 L und einer Nahrungspassagezeit von 30-40 Stunden der Fermenter des Pferdes, ähnlich des Pansens beim Wiederkäuer. Hier wird vorallem Raufutter (Cellulose, Hemicellulose, Pektine) mikrobiell verwertet und zersetzt aber auch unverdaute Nährstoffe aus dem Dünndarm können noch in den Organismus gelangen.


Verdauungsprozesse bzw. Nährstoffaufnahme:

  • Für die Funktion der Aktivität der erwünschten faserabbauenden Mikroorganismen (Bakterien und Protozoen) ist ein ausgewogenes Verhältnis von leicht und schwer abbaubaren Kohlenhydraten notwendig. Zudem ein gleichmäßiger Zufluss von Stickstoff und Mineralstoffen
  • Gebildet und aufgenommen werden unter anderem flüchtige Fettsäuren, Milchsäure sowie Gase. Aber auch größere Mengen an wasserlöslichen Vitaminen (B-Vitamine), Wasser und Mineralstoffe